Heute ist ein besonderer Tag. Warum, werdet ihr fragen. Nun, weil Heute Heute ist. Der einzige Tag, an dem ich etwas tun kann.
Gestern ist vergangen und wirft nur noch seine Schatten. Morgen ist nur eine Ahnung und noch nicht hier. Aber Heute, hier und jetzt, ist dieser magische Augenblick, in dem wir leben und handeln und unser Glück in die eigene Hand nehmen können.
Also, Heute ist ein ganz besonderer Tag. Und an einem besonderen Tag kann man sich schon einmal belohnen, oder nicht?!
Ok, die Frage ist also tatsächlich, wie. Hm. Es gibt da nämlich ein kleines Problem. Mir geht es zur Zeit nicht so gut. Und dadurch sind meine Möglichkeiten ein wenig eingeschränkt. Aber aufhalten lasse ich mich davon nicht.
Aber zunächst muss ich zum Arzt. Vielleicht geh ich danach kurz in die Stadt. Frische Luft tut mir sicher gut. Und ein kleiner Spaziergang bevor ich nach Hause gehe. Das ist schon eine kleine Belohnung.
Zuhause dann Netflix oder Amazon – und vielleicht ein bisschen Popcorn. Das machen sie doch in amerikanischen Filmen so gern. Oder lieber ein gutes Buch? Meine Lieblings-Podcasts hab ich gestern schon gehört.
Klassischer Weise sollte ein neues Outfit auf der Liste stehen – aber das ist nun mal gar nicht mein Fall. Die Sachen, die mir gefallen, kann ich mir sowieso nicht leisten. Das wäre dann eher das Gegenteil von einer Belohnung.
Und überhaupt. Eine Belohnung muss einen ja nichts kosten. Jeder Shopaholic kann bestätigen, das das nur ein flüchtiges Glück ist und keine dauerhafte Befriedigung. Geld macht nicht glücklich – und ich bin mir nicht sicher, ob man damit bequemer unglücklich sein kann.
Essen ist auch so eine Sache. Aber nichts, das von außen hineinkommt, kann doch für sich allein genommen glücklich machen. D.h. wenn Essen, dann nur in Gesellschaft. Das ist heute aber nicht drin. Und vielleicht sollte ich deshalb auch auf das Popcorn verzichten.
Hm. Ok, ich gebe zu, ich bin schlecht in dem ganzen Belohnung-Business. Hat für mich bisher noch nicht so viele Gründe dafür gegeben. Oder ich habe einfach grundsätzlich ein Problem damit, mir selbst etwas Gutes zu tun.
Aber muss eine Belohnung immer für einen selbst sein, um glücklich zu machen?! Wer hat das jemals behauptet? Gibt es dafür Regeln? Und wenn ja, wieso sollte ich mich daran halten?!
Also belohne ich mich heute mit Spaziergang und frische Luft. Und den Rest des Tages mache ich Pläne für eine Überraschung für jemand anderen. Am Freitag hat eine Freundin Geburtstag, am Samstag mein Schwager. Ich denke, das ist ein guter Anfang.
Vielleicht sollte ich mir so kurz nach Weihnachten Scrooge zu Herzen nehmen. Jeden Tag den Geist der Liebe leben. Das wäre doch eine tolle Belohnung für mich. Denn die Liebe, die wir in die Welt aussenden, kommt zu einem zurück – oder zumindest macht es die Welt ein wenig besser.
Und mit Sicherheit wird mich das glücklicher machen, als jedes Geschenk, das ich mir selbst machen könnte. Ich habe schon immer lieber geschenkt, statt zu bekommen. Das ist also die perfekte Idee für den heutigen Tag.
So wie ich mich kenne, werde ich nicht jeden Tag Weihnachten sein lassen, aber jeder Tag mehr als der 25. Dezember ist doch ein Gewinn?!
Jetzt habe ich viel zu überlegen und zu planen. Aber erst mal muss ich los und zum Arzt. Schließlich kann ich nichts Gutes für jemand anderen tun, wenn ich mich nicht zuerst um mich kümmere. Wie man im Flugzeug zuerst die eigene Atemmaske anlegen soll, bevor man sich um jemand anderen kümmert.
Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Oder vielleicht auch: Liebe Dich selbst, damit Du Deinen Nächsten lieben kannst. Und Dich lieben lassen kannst. Denn keiner kann Dich glücklich machen, außer Dir selbst. Aber das sollte uns nicht daran hindern, den Menschen, die uns am Herzen liegen, Gutes zu tun. Damit sie auch lernen, gut zu sich zu sein.