Was war mein schönster Moment im Leben?

Warum hab ich mir so schwierige Fragen rausgesucht? Am Sonntag machte das alles noch Sinn. Aber mit jedem Tag fällt es mir schwieriger, eine Antwort zu finden.

Zum Glück bin ich noch jung und werde noch viele schöne Momente haben. Aber erstmal schauen wir in die Vergangenheit und überlegen mal gut, was uns da einfällt.

Ich erinnere mich nicht mehr an meine Geburt, aber nach allem, was ich gehört habe, war das kein sehr schöner Moment. Nicht für mich und nicht für meine Mutter. Überhaupt müssen wir die ersten Jahre überspringen, weil ich mich nicht wirklich an sie erinnere.

Meine Einschulung war schön. Glaub ich. Auf jeden Fall habe ich mich sehr darüber gefreut und bin immer gern zur Schule gegangen. Und die erste Klasse war insgesamt toll. Ich hatte tolle Mitschüler. Auch wenn ich mich nicht mehr wirklich an sie erinnere. Aber ich weiß noch, dass ich viel Spaß hatte.

Sehr schön war auch meine Erstkommunion. Die ich gleich zweimal hatte. Was eigentlich nicht möglich sein sollte. Aber ich hatte sie in der deutschen Kirchengemeinde und in der italienischen Gemeinde. Und beide waren etwas ganz besonderes für mich. Und bei meiner Firmung kam ich mir dann richtig erwachsen vor, obwohl ich das natürlich noch lange nicht war.

Ich erinnere mich auch an das erste Mal, als ich ministriert habe. Eigentlich war ich noch zu jung dafür. Aber unser italienischer Pfarrer hat es mir dennoch erlaubt. Und mir ein Gesangsbuch geschenkt. Das war damals ein bisschen mein „Werther‘s Echte“-Moment. Und ich wusste, dass ich etwas ganz besonderes bin 😜

Schüler-Austausch mit London war toll. Venedig war super. Reisen muss grundsätzlich sehr weit oben stehen. Nicht, dass ich schon vielerorts gewesen bin. Aber ich liebe es, neue Orte zu erkunden. Und meine bisherigen Top 3 sind mit Sicherheit Rom, London und Venedig (oder Freiburg).

Das erste Mal betrunken sein? War das schön? im Grunde schon, es war zumindest ein sehr lustiger Abend. Wir waren mit der Schule in Erfurt und bei der Jugendherberge um die Ecke war eine Kneipe. Und passender Weise gab es da ‘ne Ladies Night. Bevor dem Kellner klar wurde, dass wir vielleicht ein bisschen jung für „Ladies“ waren, hatten wir schon ziemlich was gebichelt. Die Mädels, mit denen ich da saß und getrunken habe, waren super. Und auch wenn wir keinen Kontakt mehr haben, denke ich immer wieder gern an sie zurück.

Mein erster Stehblues. Ein bisschen Schmetterlinge im Bauch. Einfach weil ich im richtigen Alter war und das noch nie gemacht hatte. Hat sich gut angefühlt. Auch wenn ich den Kerl kaum kannte und danach auch nicht mehr wiedergesehen habe. Musste auch nicht sein. Darum ging es dabei nämlich gar nicht. Und deshalb war es auch ein schöner Moment. Ich glaube, hätte einer von uns beiden sich mehr erhofft, wäre das nur awkward geworden.

Der Sommer mit meinen Freunden im Zelt gepennt. Bei einer Freundin übernachtet und im Schlafanzug auf der Strasse getanzt. Mit meiner besten Freundin unseren achtzehnten Geburtstag gefeiert. Chinesisch Essen. Disco-Besuche. Silvester auf dem Schlossberg. Silvester lecker Essen gehen. Billiard spielen. Bowlen. Es gab schon viele schöne Momente in meiner Schulzeit mit meinen Freunden.

Tanzen. Tanzkurs. Das war sehr schön. Und der Abschlussball hatte ein bisschen was von kitschigen amerikanischen Filmen. Aber es hat Spaß gemacht. Und das ist doch das wichtigste daran. Für fünf Minuten habe ich darüber nachgedacht, Tanzen ernsthafter zu betreiben. Hatte aber keinen Tanzpartner. Und wahrscheinlich auch nicht genügend Talent. Die Tanzschuhe stehen aber immer noch in meinem Schrank.

Karneval in Köln. Im Grunde bin ich gar nicht so geck auf Fasching. Aber einmal zu Karneval in Köln – da bin ich schon froh drüber, dass ich das erlebt habe. Auch wenn ich total vergessen hatte, ein klitzekleines Taschenmesser in meinem Rucksack zu haben und es dem Türsteher abgeben musste. Und ich nicht wirklich viel von Köln gesehen habe.

Abi-Ball und Treppenfest. Endlich fertig mit der Schule. ungestraft Bier auf Schulgelände trinken. Und alle umarmen und versprechen, in Kontakt zu bleiben. Und es damals auch so meinen. Selbst diejenigen, mit denen ich nicht so viel zu tun hatte, wurden gedrückt und überschwänglich verabschiedet. So eine lange Zeit mit Menschen verbracht zu haben und diesen Abschnitt dann abzuschließen – das ist ein bisschen bittersüß.

Mein erster Job – ne, das war eigentlich nicht so schön. Was man nicht alles für Geld macht. Als ich beim Zinser gearbeitet habe, war das schon schöner. Trotzdem kann ich sagen: mit jedem Job habe ich etwas gelernt. Das als solches freut mich. Auch wenn ich mich bei manchen Jobs noch mehr gefreut habe, sie nicht so lange zu machen.

Mein Praktikum bei der Stadt Tübingen. Das war klasse. Bisher noch das Beste, was ich erlebt habe. Von der Atmosphäre und der Kollegialität. Über die Aufgaben und was ich alles gelernt habe. Ich denke immer gern an diese Zeit zurück. In diesen vier Monaten habe ich im Grunde ein bisschen meinen Traum leben dürfen. Kann es etwas schöneres geben?!

Mein Praktikum in Fellbach. Ein aufregendes und tolles Jahr. Viele tolle Menschen kennengelernt. Interessante Aufgaben übernommen. In der Zeit habe ich viel gelernt. Unter anderem dass ich nicht hauptamtlich in einer Gemeinde tätig sein möchte. Ja, auch das kann schön sein.

Mein Studium. Das Auslandsjahr in Rom. Vielleicht hätte ich etwas „sinnvolleres“ studieren sollen. Vielleicht hätte ich mehr Praktika machen sollen. Vielleicht habe ich nicht das Beste aus meiner Zeit in Freiburg. Dennoch ist es mit Sicherheit die eine Entscheidung, die ich immer wieder treffen würde.

Die Hochzeit meiner Schwester. Ihre zwei Kinder. Ja, ich weiß, das sollten meine schönsten Momente sein und nicht die meiner Schwester. Aber warum können ihre schönsten Momente nicht auch meine sein? Es gibt doch kaum etwas schöneres, als am Glück eines Dir nahestehenden Menschen teilzuhaben. Und ich bin gern Tante. Ich liebe meine Nichte und meinen Neffen sehr.

Zusammengefasst läuft es darauf hinaus, dass ich keinen Mega-super-extrem-schönen Moment hatte. Aber doch sehr viele kleine. Und deshalb kann ich mich sehr glücklich schätzen. Zugegebenermaßen ich hatte auch weniger schöne Momente. Wenn ich aber Bilanz ziehen müsste, bin ich davon überzeugt, dass ich netto im Plus stehe. Ist immer wieder sinnvoll, sich das vor Augen zu führen.

Und für die Zukunft wünsche ich mir weitere kleine schönen Momente. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich dafür auch auf den ganz großen verzichten. (Hoffentlich sind die aber nicht exklusiv 😉)

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