Wo liegen meine Stärken?

Jeder, der schon einmal ein Vorstellungsgespräch hatte, kennt diese Frage. Darauf bereitet man sich dann auch lang und breit vor. Das Internet ist voll mit Hilfestellungen dazu.

Dennoch bereitet diese Frage oft Probleme. Gibt es bessere und schlechtere Stärken? Gibt es Stärken, auf die nan nicht stolz sein sollte? Ider sollte man einfach nur stolz auf seine Stärken sein?

Schauen wir uns das mal etwas genauer an. Klar ist, dass keiner Angeber mag. Deshalb sollte man also vorsichtig mit der Selbstbeweihräucherung sein. Aber genauso wichtig ist es, selbstbewusst zu sein.

Und das im ganz ursprünglichen Sinn: selbst-bewusst, sich selbst bewusst sein, sich selbst kennen und erkennen. Und dazu gehört auch, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Zum Glück ist das hier kein Vorstellungsgespräch. Ich möchte hier niemanden beeindrucken oder von mir überzeugen. Und ich muss keinem Stellenprofil entsprechen. Was sind also meine Stärken?

Ich bilde mir offensichtlich ein, dass ich gut mit Worten umgehen kann – ansonsten würde ich keinen Blog schreiben. Das ist auch gleich eine gute Stärke, die gern Ausdrucksfähigkeit genannt wird. Wie habe ich dieses Talent erhalten? V.a. durch lesen, lesen und noch einmal lesen. Aber Lesen kann man nicht unbedingt als Stärke bezeichnen – leider.

Etwas, das ich als Stärke ansehe, ist das Interesse an vielen verschiedenen Dingen. Ich weiß, dass für gewöhnlich Spezialisten gefragt sind. Aber man braucht auch Menschen mit breit gefächerten Einsatzmöglichkeiten, für den Fall, dass einer der Spezialisten ausfällt oder Urlaub hat. Leider sehen viele Firmen das anders. Dennoch bin ich stolz darauf.

Meine Fantasie empfinde ich als Stärke. Denn sie hat mir schon in manchen Situationen geholfen. Und ich habe durch meine Fantasie noch eine weitere Stärke:

Meine Kreativität. Beides zusammen kann mir dabei helfen, outside the box zu denken, Lösungen zu finden und Neues auszuprobieren. Aber natürlich zeigt sich meine Kreativität auch ganz simpel in kreativen Hobbies. Ich liebe Origami, falte zu Weihnachten Fröbel- und Bascetta-Sterne, stelle selber Schmuck her, häkle und versuche mich am stricken – auch hier zeigt sich mein breitgefächertes Interesse.

Viel weiter oben müsste übrigens meine „Pollyanna-Art“ stehen. Ich bin normalerweise optimistisch und erfreue mich am Leben: Wenn das Leben Dir saure Zitronen gibt, dann bemühe Dich, daraus etwas zu machen, das ansatzweise Limonade ähnelt (This is Us)

Ich bin wahnsinnig neugierig. Vielleicht manchmal auch zu sehr. Aber ich mische mich normalerweise nicht in Dinge ein, die mich nichts angehen. Meine Neugierde beschränkt sich auf: Wie funktioniert das? Warum wird das so gemacht? Was steckt dahinter? Gibt es einen besseren Weg? Ich entdecke gern und lerne gern Neues.

Als nächstes werde ich mal was ganz anderes nennen: Meine Liebe zur Mathematik. Die Sprache der Schöpfung. Und es liegt mir auch sehr. Ich liebe es, mit Zahlen zu jonglieren, Rechenaufgaben zu lösen und verschiedene Zahlenrätsel wie Sudoku und Kakuro gehören zu meinem liebsten Zeitvertrieb.

Ich bin Geisteswissenschaftlerin, also bin ich auch gut im Schwallen und Labern – aber das sind jetzt nicht unbedingt Stärken, auf die ich stolz bin. Nur manchmal. Aber natürlich habe ich auch noch viele andere Stärken. Das macht es zu so einer schwierigen Frage für ein Vorstellungsgespräch.

Man muss sich sinnvolle Stärken überlegen, die zu der Stellenausschreibung passen. Und deshalb kommen dann so langweilige Sachen wie Organisationstalent, Teamwork und Flexibilität. Die sind ohne Frage wichtig und ich bilde mir ein, diese Stärken zu besitzen. Aber sie sind eben auch nicht sehr originell oder interessant.

Vielleicht ist es deshalb albern, nach den Stärken zu fragen. Ich meine, erwartet wirklich jemand, dass man sagt: Öhm, ich hab keine?! Und diese generischen Antworten helfen doch nicht wirklich, etwas über einen Menschen zu erfahren. Sie zeigen nur, dass man in der Lage ist, ein Stellenangebot zu lesen und zu verstehen – Mindestanforderungen, die jeder mitbringen sollte.

Ob ich tatsächlich gut im Team arbeiten kann, hängt nicht allein von mir ab – wenn ein oder mehrere andere Teammitglieder nicht gut mitarbeiten, dann arbeite ich lieber allein. Aber wenn es ein gutes Team ist, dann kann es sehr produktiv sein. Und Spaß machen.

Und darauf läuft es, denke ich, mit vielen skills hinaus – sie hängen auch von äußeren Umständen ab. Und deshalb ist die Frage nach den Stärken eigentlich müßig. Morgen wird es viel interessanter, wenn ich meinen Schwächen auf den Grund gehe.

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