Was sollte ich viel öfter machen?

Oi, diese Frage könnte auch wieder den Rahmen sprengen. Es gibt so vieles, was ich öfter machen sollte. Angefangen von Trinken (Wasser), über Keyboard spielen zu Lernen. Fast alles, was gut für mich ist sollte ich viel öfter machen.

Warum mache ich das dann nicht? Wenn ich doch weiß, dass es richtig wäre, sollte es mir keine Schwierigkeit bereiten, richtig?

Falsch! Denn da gibt es so ein kleines Tier namens Schweinehund. Und der hindert mich mit Vorliebe an allen Dingen, die zwar gut für mich sind, aber auch mit einem gewissen Aufwand verbunden sind.

Sport? Haben wir doch gestern erst gemacht. Oder vorgestern? Naja, auf jeden Fall in diesem Jahr. Das hält noch eine Weile. Schau nur, wie einsam und allein die Couch ist. Die braucht dringend unsere Gesellschaft.

Lernen? Aber unser Lieblings-YouTuber hat ein neues Video gepostet. Auf Netflix gibt es neue Serien und Amazon hat neue Filme in Prime. Wir schauen nur eine Folge, dann ist immer noch genug Zeit zu lernen. (Daraus werden dann gern einmal Stunden)

Keyboard üben? Aber es ist doch Mittagsruhe. Du kannst doch mit dem miesen Geklimper die Nachbarn nicht stören! Schau nur, auf Amazon/Apple/Google Music (wahlweise Spotify, Napster und co.) gibt es neue Alben von Deiner Lieblingsband. Das Keyboard steht doch auch morgen noch da.

Aufräumen? Dann finden wir doch nichts wieder. Immer müssen wir dann auf die Suche nach unserem Zeug gehen und haben danach eine viel größere Unordnung als jetzt. Außerdem heißt es doch „das Genie beherrscht das Chaos“! Glaub an Dich.

Kochen? Aber McDonalds und Pizzaservice gehen doch viel schneller und bequemer. Außerdem können wir dann jetzt noch das Buch fertig lesen, den Film schauen, mit der Freundin telefonieren. Das müssten wir jetzt unterbrechen. Komm schon. Das muss doch nicht sein.

Manchmal wenn ich mich doch aufraffe, dann stellt er sich mir in den Weg. Wenn ich über ihn hinüber steige, beißt er sich an meinem Knöchel fest. Wenn ich ihn abschüttle, fängt er ganz fürchterlich zu winseln an. Manchmal schaffe ich es trotzdem. Aber viel öfters gewinnt er. Der knuffige, wuschelige Schweinehund, der sich freudig Schwanzwedelnd an mich kuschelt, wenn ich doch wieder auf der Couch Platz nehme.

Was soll ich machen? Ich habe die verschiedensten Wege versucht, seiner Herr zu werden. Bücher und Artikel zum Ablegen von schlechten Gewohnheiten und Anlegen neuer Gewohnheiten gelesen. Umgesetzt. Meist zunächst erfolgreich. Aber kaum wiege ich mich in Sicherheit, springt er wieder hervor. Macht alle Erfolge zu Nichte und macht mir ein noch schlechteres Gewissen.

Dabei fiel es mir überraschend leicht, als ich mich dazu entschieden habe, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wahr wahrscheinlich einfach der richtige Zeitpunkt dafür und ich in der richtigen Gemütsverfassung. Die richtige Einstellung traf auf den richtigen Weg.

Warum kann das nicht immer so sein? Warum kommen uns manchmal äußere Einflüsse entgegen, die uns daran hindern, das richtige zu tun? Warum lassen wir uns immer wieder von unserem inneren Schweinehund ausbremsen? Und warum gibt es Menschen, denen es nicht so geht?

Halt. Nicht vergleichen. Ich weiß doch gar nicht, ob es anderen Menschen nicht auch so geht. Ob sie jeden Tag mit ihrem inneren Schweinehund kämpfen und nur öfter gewinnen. Ich kann nicht in andere Menschen hineinschauen. Und deshalb ist es müßig, mich mit ihnen zu vergleichen. Meist schneide ich dabei schlechter ab, weil ich alles in meinem Innenleben kenne und nichts in deren.

Das ist auch so eine Sache. Eigentlich sollte es uns einen Anreiz geben, jemandem nachzueifern. Ein Vorbild zu haben. Ich habe aber bei mir oft festgestellt, dass es das Gegenteil bewirkt. „So gut werde ich nie“ ist dabei ein häufiger Gedanke.

Aber es kommt doch gar nicht darauf an, wie ein anderer Mensch zu werden, oder ihn gar zu übertreffen. Das einzige, was wir tun können und sollen, ist doch, der beste „Ich“ zu sein oder zu werden. Uns mit uns selbst zu messen. Mit unserem gestrigen „Ich“. Um derjenige zu werden, der wir sein wollen. Und dabei kann es hilfreich sein, die Qualitäten, die wir an anderen schätzen, immer wieder vor Augen zu haben und ihnen nachzueifern.

Was sollte ich also viel öfter machen? Innehalten. Mich mit meinem inneren Schweinehund hinsetzen und überlegen, was ich wirklich will und wie wir es zusammen hinbekommen. Denn der innere Schweinehund ist ja kein echtes Wesen, das von mir abgeschnitten ist. Er ist zutiefst ein Teil von mir und wurde von mir über Jahre erzogen oder eben nicht.

Und nur wenn ich akzeptiere, dass ich es nur mit ihm aber nicht gegen ihn schaffen kann, habe ich eine echte Chance, etwas zu ändern. Das sind dann diese magischen Momente, wo alles zusammen kommt und alles ganz leicht ist. Änderung ist möglich.

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